Reisebericht Schöpfung

2500 Kilometer singend durch Europa

Ich sitze im Bus von Wien nach Goslar und lasse die gerade zu Ende gehende Reise mit dem Chor nochmal Revue passieren. Plötzlich bin ich am Rechnen und stelle fest, dass ich in meinen 16 Jahren Zugehörigkeit zur SingAkademie Niedersachsen bereits zum 10. Mal auf Auslandskonzertreise bin – unglaublich! Reisebericht1
Es gab viele schöne Reisen nach Italien, Griechenland, Frankreich, Österreich, Tschechien und auch ans Schwarze Meer in Russland. Herausragend war unsere Reise vor 4 Jahren nach Namibia, aber auch die jetzige Reise vom 30. April bis zum 06. Mai 2018 war schon etwas ganz Besonderes. Wir haben das erste Mal ein in drei intensiven Wochenendproben einstudiertes Werk – in diesem Fall „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn – in Konzerten an 6 verschiedenen Orten aufführen dürfen. Mit Beginn in Bockenem und Goslar gingen wir auf die Reise nach Regensburg, Budapest, Brünn und Wien. Und dabei drohte kurz vor Beginn der Reise das Projekt noch zu platzen zunächst aufgrund der kurzfristigen Absagen sonst immer verlässlicher Sponsoren. Der hohen Einsatzbereitschaft der Chorsänger zusätzlich zum ohnehin hohen materiellen Aufwand war es zu danken, dass die Reise dennoch starten konnte. Hinzu kam dann noch eine plötzliche schwere Erkrankung der Ehefrau unseres Dirigenten Claus-Ulrich Heinke, so dass nicht nur sie als unsere Stimmbildnerin, sondern auch er als Gesamtleiter die Konzerte in Regensburg, Budapest und Brünn nicht leiten konnte. Kurzfristig musste er eine Vertretung finden. Und das gelang glänzend.  Unsere ohnehin mitreisende Cembalistin und Probenassistentin Anke Höing, eine Musikerin mit Erfahrung auch als Dirigentin, übernahm die Leitung, obwohl sie das Stück noch nie dirigiert hatte – und das bei über 100 Sängerinnen und Sängern, den drei Solisten und dem Orchester. Uns begleiteten das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen sowie die drei bereits hier in der Region beteiligten Solisten Martina Nawrath, Georg Drake und Markus Volpert.  Reisebericht2
Wir starteten unter der Leitung von Claus-Ulrich Heinke mit zwei Konzerten in der Pankratiuskirche Bockenem und der Kaiserpfalz Goslar. Dann wurden die Reisebusse bestiegen. Die Reise wurde für uns alle zu einem besonderen Erlebnis. Es war fabelhaft zu erleben, wie alle Beteiligten sich sogleich bedingungslos auf die neue „Chefin“ einlassen konnten und jeder mit ganz besonderer Aufmerksamkeit seinen Beitrag zum Gelingen der Konzerte beitrug. Anke Höing dirigierte unsere Konzerte in Regensburg, Budapest und Brünn bravourös mit zunehmender Sicherheit, bevor Claus-Ulrich Heinke zum Ende der Reise dann nach Wien reisen konnte, um im Stephansdom die bewährte Gesamtleitung zu übernehmen.Reisebericht3

Auf der Reise kam es in Budapest und Brünn auch zu Begegnungen mit einem jeweils dort beheimateten Chor und gemeinsamer Darbietung einiger vorher eigens dafür einstudierter Stücke. Auch gab es in Budapest und Wien Zeit für organisierte Stadtrundfahrten, in Wien auch eine Führung durch die Wiener Oper sowie für individuelle Erkundungen der beiden schönen Städte. Das sehr sommerliche Wetter trug zur allgemeinen guten Laune bei.
Die Melodien der „Schöpfung“ – ein wirklich meisterhaftes Werk von Joseph Haydn –   klingen bei mir noch immer als Ohrwurm nach. Zu Hause angekommen war es plötzlich sehr einsam und still – die große Gruppe, das gemeinsame Musizieren und die vielen guten Gespräche fehlten.
Inzwischen ist der Alltag eingekehrt und es bleiben wunderbare Erinnerungen an ein gelungenes Chorprojekt, welches mit viel gutem Willen und Dank aller Beteiligter zu einem großen Erlebnis wurde und noch lange nachklingen wird.
Christina Boosmann 2018

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